Blumendienst Bad Bentheim

Es geht! gerecht.

 

Bei Arbeiten in unserem Kirchgarten fanden wir vor längerer Zeit diese Steine an einer Stelle, wo wir sie nicht haben wollten. Also wurden sie ausgebuddelt, erstmal aus dem Weg geräumt und an einen Topf gelehnt, in dem im Sommer eine Rose blüht. Für manche mögen es immer einfache, kleine Bodenplatten bleiben, aber so, wie sie da standen, erinnerten sie uns an die mosaischen Gesetzestafeln. Und der Gedanke war schon lange, diese Steine zu beschriften. Nur, was sollte da draufstehen? Nach einem Bibelgespräch zur Vorbereitung des diesjährigen Misereorsonntags war dann diese Idee entstanden. Wir greifen das Motto des vergangenen Jahres auf: Es geht! Anders., das in diesem Jahr geworden ist zu: Es geht! gerecht.

Dieses Blumengesteck stand am dritten Adventssonntag, dem Sonntag „Gaudete“, vor dem Altar der Kirche in Bad Bentheim.
Das ist für unseren Gemeindeverbund zunächst ungewöhnlich. In der Regel hatte in der Adventszeit nur der Adventskranz seinen Platz im Kirchenraum. Die Texte des dritten Adventssonntags stimmen uns ein in frohe Erwartung und lassen schon etwas durchscheinen von der großen Freude, die wir mit dem Weihnachtfest feiern werden.

Im Blumendienst hatten wir die Idee, auch mit unseren Mitteln ein Zeichen hinzuzufügen.
Das kleine Blumengesteck ist aber auch noch auf andere Weise ungewöhnlich.
 

Der Blumendienst in Bad Bentheim hat sich entschlossen, in diesem Kirchenjahr noch mehr auf Nachhaltigkeit beim Blumenschmuck in der Kirche zu achten.

Konkret heißt das: Ein Jahr lang versuchen wir den Blumenschmuck zu gestalten ausschließlich mit dem, was uns der Kirchengarten, private Gärten, Wiese, Wald und Flur zur Verfügung stellen.

 

Die Adventszeit macht es uns zunächst leicht, Weihnachten wird dann eine erste Herausforderung für uns sein. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass unter den Bedingungen, die wir uns überlegt haben, vieles anders aussehen wird, als wir es aus den vorherigen Jahren gewohnt sind.
Im nächsten Pfarrbrief und auch darüber hinaus wird es in diesem Kirchenjahr weitere Informationen geben, ganz besonders zu zwei Terminen im Frühjahr, bei denen Regina Winkler und Inga Schmitt aus Osnabrück als Referentinnen eingeladen sind. Sie werden an diesen Abenden unser praktisches Tun geistig und theologisch fundieren, darüber hinaus begleiten sie unser Projekt während der gesamten Zeit.


Wohlwollende Begleitung und Unterstützung erhoffen wir auch aus der Gemeinde, wir sind gespannt auf unsere Erfahrungen und freuen uns über Anregungen und Rückmeldungen.

Um den Gottesdiensten in unserer Kirche einen würdigen Rahmen zu verleihen, kümmern wir uns um den Blumenschmuck.

Über diesen Dienst hinaus pflegen wir weitere gemeinsame Aktivitäten (Ausflüge, kreatives Blumenstecken).

 

Wer gerne kreativ mit Blumen arbeitet, ist in unserem Kreis herzlich willkommen!


Kontakt:
Marielle Schilderman

Email  oder TEL: 01520 888 23 25

 

 

Von Susanna Austrup

 

Osterglocken wiegen sich im Wind und die Knospen der Sternmagnolie sind kurz davor aufzubrechen. Auch der Goldlack zeigt schon kräftig Farbe. Ehrenamtliche Hobbygärtnerinnen der Bad Bentheimer Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer ziehen im Vorgarten des Pfarrers Blumen für den eigenen Altarschmuck.
Zur Freude der Gemeindemitglieder und vieler Insekten. 

Regina Liesche inspiziert die Blumenbeete. Im Augenblick ist noch nicht ganz so viel zu sehen. Trotz einiger warmer Tage im Februar war das Frühjahr insgesamt ziemlich kalt, sodass die Natur hinterherhinkt. Trotzdem: Dicht über dem Boden fliegt laut brummend eine dicke Hummel. Sie ist hier sehr willkommen. 
 

„Wir gewinnen in dem Garten den Schmuck für den Altar, ganz fair und nachhaltig, im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten“, erklärt Liesche, die den Garten zusammen mit Irene Recke und einigen anderen Ehrenamtlichen pflegt.
Die Idee für den Blumengarten sei aus dem Bemühen um eine faire Gemeinde gewachsen. Man habe sich mehr Gedanken über den Anbau der gekauften Blumen gemacht, über Schädlingsbekämpfung und Düngereinsatz bei konventionell angebauten Schnittblumen und den zusätzlichen Verpackungsmüll. Außerdem seien die Flächen rund um die Kirche trist gewesen.
„Nur Immergrün und Rasen, das wollten wir ändern“, erzählt Regina Liesche. Es entstand ein erstes Beet am katholischen Pfarrheim, doch bald wurde nach weiteren Flächen Ausschau gehalten. 
 

Bei Pfarrer Hubertus Goldbeck liefen die Frauen offene Türen ein. Er überließ ihnen eine 120 Quadratmeter große Rasenfläche am Pastorenhaus. „Hier konnten wir ein weiteres Blumenfeld anlegen“, berichtet Liesche, die froh ist, dass sie mit der Arbeit im Garten etwas für die Kirchengemeinde tun kann.

Ähnlich geht es Marielle Schilderman. Die Niederländerin lebt in Gildehaus und engagiert sich zusammen mit elf weiteren Frauen aus der Gemeinde beim Blumendienst. „Meine Mutter hat das schon früher gemacht und die Blumengruppe in Losser geleitet“, erzählt sie. Vielerorts würden die Küster diesen Dienst übernehmen oder sogar Floristen beauftragt. Schilderman gefällt es, dass der Blumendienst beim Schmücken des Gotteshauses freie Hand hat.
„Wir versuchen, nach den Jahreszeiten zu schmücken und beachten die Farben der Fest- und Feiertage“, betont sie.


Zu Ostern stünden Weiß und Gelb im Mittelpunkt, während es an Pfingsten die Farbe Rot sei. In den Bentheimer Beeten gedeihen inzwischen fast 50 verschiedene Sorten Blumen, Gräser und Sträucher, was schon eine beachtliche Auswahl erlaubt. Inzwischen beschäftigen sich Regina Liesche und Irene Recke immer mehr damit, welche Pflanzen besonders bienenfreundlich sind.

Was das betrifft, wurde Liesche von ihrer Nichte sensibilisiert. Die sei Bienenbeauftragte in Rheinland Pfalz und habe die Anregungen gegeben, verrät sie.

Inzwischen achten die Hobbygärtnerinnen darauf, mehr Doldenblütler und Blumen mit ungefüllten Blüten im Garten anzusiedeln. Zwar wirken die gefüllten Blüten oft sehr prachtvoll, doch weil die Staubgefäße und manchmal auch die Fruchtblätter zugunsten der Optik weggezüchtet wurden, bieten sie Insekten keine Nahrung. „Manchmal müssen wir allerdings Kompromisse eingehen“, sagt Liesche, denn man wolle ja auch gerne etwas Schönes für die Vase haben.

 

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Altarschmuck aus dem Pastorengarten

 

In der Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer in Bad Bentheim haben Ehrenamtliche das Thema Schöpfungsverantwortung selbst in die Hand genommen: Auf einer früheren Rasenfläche im Vorgarten des Pfarrers ziehen sie Blumen für ihren eigenen Altarschmuck. Ganz fair und nachhaltig, in Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten.

 

Es brummt und summt hinter der großen Hecke neben dem Kirchhof. Hummeln, Bienen und allerhand andere Insekten arbeiten fleißig im kunterbunten Blütenmeer, das sich hier innerhalb eines Jahres entwickelt hat. Sonnenblumen, Gladiolen, Astern, Stauden, Margeriten, Phlox – Regina Liesche, Irene Recke und andere Ehrenamtliche ziehen inzwischen liebevoll fast 50 verschiedene Sorten Blumen und Gräser. Der Blumendienst der Gemeinde zaubert daraus bis tief in den Herbst hinein den Blumenschmuck für den Altarraum der Kirche.

Das war nicht immer so. Bis vor einigen Jahren gab es rund um die Kirche nichts außer Immergrün und Magerrasen. Bienen flogen kaum, die Blumen für den Altarschmuck wurden einzeln im Fachhandel gekauft. Das gefiel einigen Gemeindemitgliedern nicht. „Da ging es im Gottesdienst so viel um Schöpfungsverantwortung und faire Gemeinde, und direkt vor unserer Kirche sah es fast schon trostlos aus“, erinnern sich die Hobby-Gärtnerinnen. So entstand die Idee, selbst für die Blumen des Kirchenschmucks zu sorgen.

 

Was damals mit einem übersichtlichen Beet im Kirchgarten begann, erstreckt sich nun in seiner ganzen Pracht über eine Fläche von 120 Quadratmetern im Garten von Pfarrer Hubertus Goldbeck. „Manchmal bleiben Spaziergänger begeistert stehen und sagen uns, wie toll das doch aussieht“, erzählt Regina Liesche, während sie zusammen mit Irene Recke vorsichtig die kleinen Samenstände einiger verblühter Blumen abknipst. „Die brauchen wir für das nächste Jahr“, erklärt sie.

 

Den Lauf des Lebens und die ganze Pracht der Schöpfung kann man hier im Garten anhand der Blumen besonders gut beobachten, findet sie. „Das ist wunderschön.“ Regina Liesche fügt hinzu: „Und wenn wir mit diesem Garten bei unseren Mitmenschen ein Gefühl der Freude auslösen und unseren Mitgeschöpfen – Blumen und Bienen – einen Lebensraum bieten können, bin ich schon sehr zufrieden.“

 

Quelle: Bistum Osnabrück, K. Leuck/A. Ehrbar, September 2020

© K. Leuck
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