"Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn. Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!" Röm 12, 11-12
"Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn. Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!" Röm 12, 11-12

Meditation aus Bardel

Liebe Leserinnen und Leser,

 

mit Pfingsten endet die Osterzeit, 50 Tage nach Ostersonntag.

Damit endet auch an dieser Stelle die Veröffentlichung der Bardeler Fasten- und Ostermeditationen.

Wir möchten Pater Wilhelm nochmals vom ganzen Herzen für diese Inspirationen in den letzten Wochen danken!

 

Für die Redaktion, Ute Quaing


 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in Zeiten von Corona ist es wichtig, nicht den Blick für das Ganze

zu verlieren. Daher sollen in nächster Zeit an dieser Stelle einzelne Texte

aus den diesjährigen Fasten-Meditationen von Kloster Bardel veröffentlicht

werden. Vielleicht können diese Texte ein wenig ablenken, anregen

oder auch ermutigen.

Viel Freude beim Lesen! 
 

Pater Wilhelm 

Kloster Bardel 

                                

Die Kirche im Dorf lassen

 

Es gibt die verbreitete Redewendung „Die Kirche im Dorf lassen“.

Entstanden ist sie im Zusammenhang mit früheren Prozessionen.

Früher zogen die Prozessionen der Katholiken durch das Dorf.

Manchmal jedoch war das Dorf dafür zu klein.

Daher zogen die Gläubigen außen um das Dorf herum.

So entstand die Kritik, die Kirche doch bitte im Dorf zu lassen.

Gemeint war also: Bitte nicht alles so aufblähen und übertreiben;

es geht auch eine Nummer kleiner.

 

Nun kann dieser Spruch heute eine wörtliche aktuelle Bedeutung haben.

In vielen Dörfern und Stadtteilen stellt sich heute die Frage:

Kann unsere Kirche noch erhalten bleiben?

Können wir die Kirche also noch im Dorf lassen?

Denn die Priester und die Gottesdienstbesucher werden weniger.

 

Die Antwort auf diese Frage ist außerordentlich schwierig.

Natürlich ist es das Ziel, möglichst viele Kirchen zu erhalten.

Aber es gibt auch eine Schmerzgrenze, die dieses Ziel unmöglich macht.

Noch wichtiger als die Kirche aus Steinen, ist die Kirche,

die aus Menschen besteht.

Kirche ist nicht in erster Linie ein Gebäude,

sondern eine christliche Gemeinschaft.

Jede christliche Familie ist also schon eine Kirche im Kleinen.

Und: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,

da bin ich mitten unter ihnen.“, sagt Jesus.

In diesem Sinne mögen wir die Kirche im Dorf lassen.

Ganz unabhängig vom Kirchengebäude ist es entscheidend,

dass wir Formen suchen, wie wir Kirche sein können.

Denn Kirche sein ist wichtiger als eine Kirche haben.

Miteinander unseren christlichen Glauben leben - das ist Kirche.

 

 

10 Gebote für die Corona-Zeit 

 1. Du sollst deine Mitmenschen lieben, komm ihnen aber gerade deswegen nicht zu

nahe. Übe dich in „liebevoller Distanz“. Auf deine Gesundheit und die deiner 

Mitmenschen zu achten, ist immer wichtig. Jetzt kann es lebenswichtig werden. 

 2. Du sollst nicht horten – weder Klopapier noch Nudeln und schon gar keine

Desinfektionsmittel oder gar Schutzkleidung. Die werden in Kliniken gebraucht,

nicht im Gästeklo zu Hause. 

 3. Die Pandemie sollte das Beste aus dem machen, was in dir steckt. Keinen Corona-

Wolf, sondern einen engagierten, solidarischen Mitmenschen. 

 4. Du solltest ruhig auf manches verzichten. Quarantäne-Zeiten sind Fastenzeiten. 

Dafür gewinnst du andere Freiheit hinzu. Das passt gut in die Zeit vor Ostern. 

 5. Du sollst keine Panik verbreiten. Panik ist nie ein guter Ratgeber, zu keiner Zeit. 

Gesunder Menschenverstand und Humor dagegen schon. Deshalb hör auf Fachleute, 

beruhige andere und schmunzele über dich selbst. Da macht man erst mal nichts falsch, 

und es trägt sehr zur seelischen Gesundheit bei. 

 6. Du solltest von „den Alten“ lernen. In früheren Zeiten von Seuchen und Pest

als es noch keine so gute Medizin wie heute gab, halfen Menschen vor allem ein 

gesundes Gottvertrauen und die tätige Fürsorge füreinander. Das ist auch heute sicher 

hilfreich. 

 7. Du solltest vor allem die Menschen trösten und stärken, die krank werden, leiden 

oder sterben. Und auch die, die um sie trauern. Sei der Mensch für andere, den du selbst 

gern um dich hättest. 

 8. Du solltest anderen beistehen, die deine Hilfe brauchen: Einsamen, Ängstlichen, 

Angeschlagenen. Menschen, die jetzt beruflich unter Druck geraten. Das hilft nicht nur 

ihnen, sondern macht dich auch selbst frei. 

 9. Du solltest frei, kreativ und aktiv mit der Pandemie umgehen. Dazu sind wir von 

Gott berufen. Du wirst am Ende vielleicht überrascht sein, was sie Positives aus dir und 

anderen herausholt. 

 10. Du solltest keine Angst vor Stille und Ruhe haben. Wenn die Quarantäne zu mehr 

Zeit zum Umdenken, zum Lesen und für die Familie führt, wäre das ein guter 

„sekundärer Krankheitsgewinn“. 

 

 

Text von Dr. Thorsten Latzel, Evangelische Akademie Frankfurt, gekürzt 

(www.evangelische-akademie.de) 

 

 

 

 

 

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